Aktuell gibt es bei uns keinen Fahrermangel. Aber es wird eine andere Situation kommen. Das ist ja in der Branche kein Geheimnis", erklärt Hellmut Knietzsch, Personalleiter bei der Autobus Sippel Verkehrsgesellschaft mbH. Daher entschied sich das Verkehrsunternehmen, das seit 2005 zum britischen Konzern Arriva gehört, auch recht schnell dazu, die Zukunft hinter dem Bus-Lenkrad selbst auszubilden. Im letzten Jahr war es so weit. Über die Bundesagentur für Arbeit wurden drei Auszubildende Berufskraftfahrer gesucht. "Das Berufsbild hat uns überzeugt", so Knietzsch. "Einen Prozess des Ringens und Kämpfens gab es nicht", ergänzt er. Rund 20 Bewerber meldeten sich für die Zukunft beim Wallauer Betrieb. Zuerst führte das Unternehmen
mit allen Bewerbern Gespräche, dann gab es einen kleinen Einstellungstest. Schließlich durften die Auserwählten dann ein zweiwöchiges Schnupperpraktikum im Busbetrieb machen.
"Das war cool", erinnert sich Mustafa Yavuz zurück. "Wir konnten den ganzen
Betrieb kennenlernen", ergänzt der 20-Jährige. Die Nachwuchsfahrer durften im Linienbus mitfahren, um zu sehen wie die erfahrenen Kollegen mit dem Fahrzeug und mit den Kunden umgehen. Es ging in die Disposition und auch in die Werkstatt. "Das war alles sehr interessant. Zu sehen, wie ein Bus unter der Haube aussieht", erzählt Jesse
Pearson, der zweite Bus-Azubi bei Autobus Sippel. Der 22-Jährige absolvierte zuvor ein Praktikum in einem Speditions- und Bauunternehmen. "Ich war ständig unterwegs, war bei den Auslieferungen dabei, das hat mir richtig Spaß gemacht."
"Es freut uns, junge Azubis zu haben", so Knietzsch. Aber Altersgrenzen gab es für die Ausbildung weder nach oben noch nach unten. Auch der Schulabschluss spielte eine untergeordnete Rolle. "Da sind andere Dinge wichtiger", erklärt Knietzsch weiter. Soft skills oder einfach das Interesse, das ein Bewerber zeigt. Am Ende sei eines entscheidend: Fahrer mit "unseren Standards, mit unserer Qualität."
"Ich habe Respekt vor großen Fahrzeugen", sagt Peter Eckhard, der das Azubi-Terzett am Taunus komplett macht. Bevor der 22-Jährige 2008 gemeinsam mit den beiden anderen Youngstern seine Ausbildung startete, beförderte er Behinderte. "Ich mag den Umgang mit den Kunden", erklärt er weiter. Von der Ausbildung bei Sippel ist er begeistert. Auch die Berufsschule, an der die drei Sippel-Azubis die einzigen Bus-Berufskraftfahrer sind, macht ihm Spaß: "Die Berufs schule ist gut, und auf jeden Fall abwechs lungsreich." Nach der Ausbildung freut sich der Kaiserslauterner auf den Linienverkehr. Irgendwann, so erzählt er, will er aber unbedingt
auch Reisebusse fahren. "Am liebsten nach Italien, da ist es schön warm".
Ein bisschen Geduld brauchen die drei Auszubildenden noch. In den nächsten Monaten fangen sie mit dem Bus-Führerschein an. Im zweiten Jahr geht es dann - zuerst unter Anleitung – auf Linie.
"Da freut man sich am meisten drauf", sind sich die drei von Sippel einig. Ebenso beim Respekt vor den großen Gelenkbussen. "Man fragt sich, wie komme ich um die Kurve", so Yavuz. Die erfahrenen Kollegen machen Mut. "Zieht das durch", muntern sie die Youngster auf. Busfahrer sein mit dreijähriger Ausbildung, das sei viel wert. Und die Kollegen wollen mehr wissen über die Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Natürlich
erzählen sie den Nachwuchskräften auch über den Linienalltag. Dass Unfälle mal passieren können. Und es nicht gleich bedeutet, dass man ein schlechter Fahrer ist.
Jesse Pearson, Peter Eckhard, Mustafa Yavuz: Sie sind die ersten drei Berufskraftfahrer-
Azubis bei Sippel. Und sie sind die ersten drei Bus-Youngster bei Arriva Deutschland. Bisher ist das Pilotprojekt Busfahrer-Ausbildung ein voller Erfolg. Drei Jugendliche träumen vom Alltag hinter dem Linienbus-Lenkrad und einer Zukunft im Reiseverkehr. Autobus Sippel freut sich über junge, qualitätsorientierte Busfahrer.
© Omnibusrevue 2009