In den Regionen zuhause

Die Unternehmensgeschichte von Arriva zeigt die Verbundenheit mit dem Mittelstand, unterstreicht Geschäftsführer Klaus Jacobs im Gespräch mit der OMNIBUSREVUE.

Arriva bleibe auf Wachstumskurs, ist die Ansage des Unternehmens, wenn es um die künftige Ausrichtung geht. Der Umsatz in Deutschland soll in den kommenden Jahren verdoppelt werden, zum einen durch gewonnene Ausschreibungen, zum anderen durch Zukäufe. Bis jetzt gehören die Autobus Sippel GmbH, die Osthannoversche Eisenbahnen AG, die PE Arriva AG, die Regentalbahn AG, die Verkehrsbetriebe Bils GmbH, die B.B.-Reisen GmbH und B.B.-Touristik GmbH, die Neißeverkehr GmbH und als neueste Erwerbung die Südbrandenburger Nahverkehrs GmbH zum Konzern.

OMNIBUSREVUE: Die Südbrandenburger Nahverkehrs GmbH ist erst seit kurzem im Besitz von Arriva. Mit ihr sind Sie seit August 2008 auch in der Region Oberspreewald-Lausitz mit Busverkehren vertreten.

Klaus Jacobs: Wir warten noch auf die formelle Zustimmung vom Land Brandenburg. Danach gehört die SBN rückwirkend zum 1. August zur Arriva Deutschland Gruppe. Nachdem wir Anfang 2007 die Neißeverkehr GmbH erworben haben, können wir mit beiden Busunternehmen ein regionales Netz an Verkehrsdienstleistungen anbieten. Ab Dezember 2008, wenn die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH den Betrieb der Lausitzbahn übernimmt, wird das Angebot durch das Bahnangebot noch abgerundet.

OMNIBUSREVUE: Bus und Bahn – sind in beiden Welten zuhause. Woran hängt Ihr Herz stärker?

Klaus Jacobs: Arriva hat sich in Großbritannien aus einem historischen Busunternehmen entwickelt. Viele Arriva-Mitarbeiter sind stark im Bus verwurzelt. Vom unternehmerischen Standpunkt aus muss man allerdings feststellen, der Busbereich ist wesentlich kleinteiliger als es das Bahngeschäft ist. Bei der Bahn zeigen sich schneller größere Erfolge – und natürlich Misserfolge, insofern ist der Bahnmarkt interessanter. Wir streben allerdings ein organisches Wachstum in beiden Bereichen an.

OMNIBUSREVUE: Wachstum durch weitere Zukäufe und auch durch den Gewinn von mehr Ausschreibungen, wie Arriva-Geschäftsführer Piers Marlow in einem Interview angab. Warum sollte Arriva erfolgreicher sein als seine Mitbewerber? Oder kalkulieren Sie das Preisniveau entsprechend?

Klaus Jacobs: Nein, wir werden uns den Markt nicht kaufen. Es gibt keine Querfinanzierungen, jeder Vertrag muss in sich schlüssig sein, jedes Geschäft Rendite abwerfen. Arriva kommt aus Großbritannien, einem ausgeprägten Wettbewerbsmarkt. Die Organisation des Unternehmens ist auf Wettbewerb eingestellt. Wir haben viele erfolgreiche Instrumente von Arriva Großbritannien hier in Deutschland implementiert, beispielsweise Planungstools, den Einkauf von Bussen und Bahnen – wir kaufen in Bündeln – die Modelle, mit denen wir rechnen.

OMNIBUSREVUE: Je mehr Wettbewerb desto besser? Dann müsste Arriva sich in Hessen wohlfühlen?

Klaus Jacobs: Mein Herz schlägt grundsätzlich auf der Wettbewerbsseite. Allerdings hängt es stark von demografischen und infrastrukturellen Gegebenheiten ab, ob Wettbewerb sinnvoll ist oder nicht – und diese unterscheiden sich in Deutschland von Region zu Region. Hessen hat eine sehr schnelle Marktöffnung betrieben. Dies hat zu einem sehr ambitionierten Preisniveau geführt, das nicht mehr unbedingt großen Spaß macht – da geht es uns wie anderen Unternehmen auch.

OMNIBUSREVUE: Laut einiger Studien wird der Kostenvorteil durch den Verwaltungsaufwand überkompensiert.

Klaus Jacobs: Das wird sich meiner Meinung nach mit der Zeit wieder geben, wenn die Ausschreibungen zur Routine geworden sind, dann sinken auch die Verwaltungskosten. Nicht zu vergessen ist die Transparenz in Preisgestaltung und Vergabe, die den Kunden – und dies sind in letzter Konsequenz die Steuerzahler – ermöglicht wird.

OMNIBUSREVUE: Wie sieht dann in den Augen eines Unternehmens wie Arriva die Zukunft für die mittelständische Busbranche aus?

Klaus Jacobs: Kleine Unternehmen werden sicher in ihren Nischen weiterhin eine Chance haben. Bei der momentanen Situation am Kapitalmarkt ist es aber speziell für sie zunehmend schwierig Investitionen zu finanzieren. Kritisch wird es für kleine Unternehmen, die sich nicht auf ein Geschäft fokussiert haben. Ansonsten bieten sicher auch Unternehmenskooperationen eine gute Chance. Wir arbeiten gerne mit mittelständischen Unternehmen zusammen. Unser Vorstandsvorsitzender David Martin beispielsweise war selber Mittelständler, bevor er sein Unternehmen an Arriva verkauft hat.

OMNIBUSREVUE: Apropos Fokussierung. Sie sind mit zwei Unternehmen im Touristikbereich aktiv. Passt das ins Unternehmensprogramm?

Klaus Jacobs: Ja, sicher. Arriva Großbritannien beispielsweise hat erst kürzlich seine Touristikaktivitäten verstärkt. Unser Augenmerk liegt auf dem Linienverkehr, aber wir bieten auch Flughafenverkehre an und sind an längerfristigen Aufträgen mit größeren Touristikpartnern durchaus interessiert.

OMNIBUSREVUE: Auf welche Regionen wird sich Arriva in Deutschland künftig konzentrieren?

Klaus Jacobs: Wir gehen überall dorthin, wo es Wettbewerbsstrukturen gibt und wo wir willkommen sind. Das heißt, wo es Transparenz und offene Verfahren gibt und wir unser Netzwerk stärken können.

OMNIBUSREVUE: Die Unternehmen, die Sie kaufen, werden ja teilweise noch von den bisherigen Inhabern begleitet oder weitergeführt. Inwieweit erhalten diese Unternehmen eine „Arriva-Identität“?

Klaus Jacobs: Das sind großteils gut funktionierende Unternehmen. Dort erhalten wir die Strukturen, wie sie sind. Bei manchen Bereichen kann man gemeinsam mit dem Management noch bessere Lösungen finden. Wir sind keine große Holding, die alles steuert. Zwar gibt es Projektgruppen, die sich bestimmter Themen annehmen, ebenso wie Best Practice oder Benchmark Projekte. Das ist gerade für den Wissens- und Erfahrungstransfer unter den verschiedenen Ländern interessant. Aber die Geschäfte sind so regional verwurzelt, dass man individuell vor Ort arbeiten muss. Sie müssen auch immer die Menschen vor Ort mitnehmen. Wir haben keine große Busorganisation, die allen sagt, wie was funktioniert.

Das in Ausgabe 11/08 erschienene Interview führte Birgit Bauer, Chefredakteurin der OMNIBUSREVUE.

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